StartseiteEntwicklungsgeschichte

Gestüt Hürtgenwald, Familie Billig

Unbenanntes Dokument
Schon als Kind war der heutige Senior, Manfred Billig (77) ein Pferde-Fan. Wenn es irgendwie möglich war, hielt er sich bei den Bauern des Dorfes auf, um Kontakt mit Pferden zu haben. Hier handelte es sich natürlich nur um Rhein .-und Blg.-Kaltblüter. Ende Mai 1945 kehrte die Familie aus der Evakuierung wieder in die zerbombte Heimat zurück. Im ganzen Dorf gab es nur 4 Pferde. Zwei davon gehörten zwei Familien, die aus Ostpreußen geflüchtet waren. Es waren wunderschöne Rappen, die nun den Bauern bei der Feldarbeit und beim Holzrücken halfen, um so für sich selber und die Besitzer den kargen Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Trakehner haben sich tief in sein Herz verankert und kamen immer wieder in seinen Träumen vor. Nie würde er solche Pferde haben können, da die Eltern kein Gut, noch eine Landwirtschaft hatten. Sein Wunsch war und blieb immer "Landwirt" zu werden. Auch dies blieb lange ein Wunsch.
Als Manfred Billig mit 26 Jahren schwer erkrankte und 6 Wochen im Krankenhaus lag, hat er sich alles über Trakehnen und die Trakehner-Pferde in Schriften und Büchern beschaffen lassen und gelesen. Das Ergebnis war der Entschluss, alles daran zu setzen, einen Trakehner zu besitzen. Dies hat noch lange gedauert. 1972 verbrachte die Familie einen Urlaub in der Nähe des Bodensees. In Ravensburg war eine Fohlenschau. Da musste man natürlich hin. Beim Studieren des Kataloges fand er ein Stutfohlen, dessen Mutter zwar würtemb. gebrannt, aber rein Trakehner war.
Die Mutter war geboren in einem Gestüt im Kreis Düren, das vom heutigen Gestüt nur 3 km entfernt lag. Der Vater war Roman und die Mutter stammte von Hansakapitän ab und gehörte zu der Fam. der Elfenfee. Übrigens, das Fohlen nannten wir '' Elfe", so sah es auch aus. Elfe VII, die vom ehemaligen Vorsitzenden Gottfried Hoogen mit 1- 2 (frühere Bew.) bewertet war, wurde die Stammmutter des heutigen Gestütes. Sie wurde 30 Jahre alt und starb 2002. Alle ihre Nachkommen tragen am Anfang des Namens den Beginn " Elfe“.
Begonnen mit der Zucht wurde 1975 in einem Pachtstall, der vom Rinder- und Schweinestall umgebaut werden musste. 1990 erstand man ein Landstück mit einem Haus und kleinem Stall und ein wenig Wiesen in Hürtgen. Zunächst konnte man einige größere angrenzende Parzellen pachten. Ein Umbau und eine Vergrößerung des Stalles machte keinen Sinn. Man entschloss sich, die Stallgebäude neu zu errichten. Jedes Jahr kam etwas dazu. So entstanden mit und mit 55 Boxen und 7 Laufställe für das Jung-Volk. Eine schöne Holzhalle (25 x 55 m), die an der Waldgrenze gelegen, herrlich in die Landschaft passt. Auch entstand ein dazu passender Neu-Stall von 22 Boxen, je zur Hälfte mit Fenstern und Boxen mit Paddocks. Dem vorgelegt ist ein Dressurplatz von 20 x 60 m mit Allwetterboden und Flutlicht, sowie eine Longierhalle 25 m, kombiniert mit einer Führmaschine. 2006 entstand auf dem Gestüt ein großer Wendepunkt.
Wir hatten das große Glück, den schönen, großartigen, charaktervollen Hengst Rastenberg von E. H. van Deyck von der ehemaligen Züchterin Petra Werner zu erwerben. Rastenberg, der 10 Jahre lang nach einem Unfall voll in Vergessenheit geraten und unbeachtet war. 5-jährig hatte er, wie uns vermittelt wurde, einen Unfall am Phantom. Er konnte den Hals kaum bewegen. Die Gliedmaßen waren gehandicapt. Die Hinterbeine nahmen keine Last auf. Alles in Allem konnte er weder für die Zucht noch zum Reiten genutzt werden. Wir aber hatten die Hoffnung und den starken Glauben, dem Hengst helfen zu können. Jeden Tag wurde mit ihm etwas getan. Er wurde geführt, massiert, warm/kalt gebadet, longiert, bestrahlt, dies und das gemacht, woran  wir glaubten, es könne helfen. Täglich bekam er auch Medikamente und vor allem besondere Nahrung, viel Bewegung und immer Weidegang. Einige Ärzte und Osteopathen hatten wir mit ins Boot geholt. Mit der Zeit wurde unser Mut immer kleiner, da man fast keine Verbesserung erkannte.
Wie ein Wunder! eines Tages stand er morgens auf seiner eigenen Wiese mit hocherhobenem Kopf, den er bewegte. Er interessierte sich für die Stuten, die die Köpfe aus den Fenstern streckten. Plötzlich fing er an zu gehen und begrüßte jede mit Stimme. Wir konnten es nicht glauben, dass wir für ihn gewonnen hatten. Unter Tränen haben wir uns vor Glück in die Arme genommen und fühlten uns unheimlich reich, nicht an Kapital aber an Freude, Dank und Liebe. Nun machte die Arbeit mit Rastenberg einen reellen Sinn. Täglich wurde er leicht gearbeitet. Auch unsere bisherigen Einsätze behielten wir bei. Die Arbeit wurde immer etwas erhöht und verlängert. Er begann wieder Muskeln zu entfalten. Auch nahm er an Gewicht zu, aber die Hinterhand konnten wir nicht verstärken. Was nun, die Deckzeit begann. An ein normales Phantom ging er nicht ran, auch wenn ihn die Animierstute lockte. Jetzt überlegten wir, wie man die Hinterbeine stärken könnte. Wir bauten uns selber ein Phantom. Dies brachte zunächst keine Hilfe. Es mussten Möglichkeiten geschaffen werden, dass beim Aufsteigen der Brustkorb und der Bauch das Gewicht aufnähmen und nach dem Absamen bei dem Zurücktreten die Hinterbeine nicht großartig Gewicht aufnehmen müssten. Also Neukonstruktion.
In die Oberfläche des Phantoms bauten wir eine Kuhle ein. Darin wurde Brustkorb und Bauchanfang abgelegt. Weiterhin wurde in das Phantom ein Wagenheber eingebaut, der manuell nach der Samenentnahme das Phantom blitzschnell im Ganzen absenkte. So stand er dann schnellstens wieder auf 4 Beinen, nicht anders als wie er überhaupt sonst stand und ging. Somit war auch diese Hürde überwunden. Der erste Versuch klappte auf Anhieb. Zwar benötigte man schließlich mehrere Personen, die ihn seitlich stützten, sodass er aus der Mulde nicht herausrollte und auch die Hinterhand nicht voll beansprucht wurde. Weiterhin musste eine weitere Person genau auf dem gewissen Zeitpunkt den Hebel lösen, damit die Luft sich aus dem Heber entfernte. Bald war das Team einschl. Rastenberg perfekt. Bekam er die Führkette an, ließ er seine Stimme laut erschallen, und die Schritte des Führers waren ihm zu langsam. Bereits im 1. Jahr wurden 29 Stuten besamt, 28 wurden tragend. eine mit 23 Jahren hatte nicht aufgenommen.

Alle Züchter waren hellauf von den Fohlen begeistert. Fast alle Fohlen waren bei den Schauen auf vorderen Plätzen oder sogar im Championats Bereich. Aus den Fohlen wurden Pferde. Die meisten gingen in den Sport und brachten fast auf Anhieb Erfolge, sowohl in der Dressur und im Springen, als auch in der Vielseitigkeit. Einige von Rastenberg 's Nachkommen findet man schon in Prüfungen der Kl. M. Rastenberg hat so bei uns 9 Jahre sein zweites Leben gehabt. Jeder der ihn kannte, konnte nicht anders als ihn lieben und vor ihm Ehrfurcht zu haben. So gibt es viele, die trauern. Uns selber hat der Verlust mehr als das Herz gebrochen, als er in unseren Armen einschlief. Dieser Zustand mag einfach nicht aufhören, obwohl wir einige Töchter, Enkel und Urenkelinnen von ihm in unserem Stall haben, die uns immer wieder an dieses Ausnahmepferd erinnern.
Ohne "Rasti", wie wir ihn nannten, muss das Gestüt auch weitergehen, sowohl die Zucht, als alle anderen Möglichkeiten, die wir ausüben. In der Zucht haben wir einige Trakehner-Töchter des Rastenberg und Stuten mit anderem Brand. Da Rastenberg aber in einigen Zuchtverbänden zugelassen war, hat er auch Töchter mit Rhein.-, Westfalen-, Oldenburger-, Süddeutsche-, Rhein.-Pfalz-Brand, sowie Stuten anderer Zuchtverbände. Derzeit sind im Reitpferdebereich 10 Elite-, St.Pr.- und Verb. Pr .-Stuten in der Zucht . Hier mussten natürlich neue Kombinationen gesucht werden. Hier haben wir Hengste gewählt, die unseres Erachtens passen sollten, wie Millennium, Imhotep, Kaiserkult, Münchhausen, Fürst Fohlenhof, Danone I Fürsten Look, Fürst Heinrich. Evtl. kommen noch zwei 3-jährige Töchter von Rastenberg hin zu.
Selten werden Fohlen abgegeben. Aus diesem Grunde verbleiben die meisten Fohlen bis zum Alter von 3 Jahren bei uns. Diese werden ausgebildet und einfühlsam angeritten. Einige der Remonten gehen dann in die Hand von Profis, die die Pferde weiter ausbilden und auf Turnieren vorstellen. Den Absatz der Pferde versuchen wir über Eigeninitiative (ehorses), Homepage, Mundpropaganda, über Auktionen, sowie über das Pferde-Zentrum Wickrath. Einige Pferde konnten wir dadurch auch ins Ausland verkaufen. Neben der Zucht befassen wir uns auch mit Reit- und Fahrbetrieb von der Pike an und bilden bis zur Kl. L selber aus. Darüberhinaus gibt es immer wieder Lehrgänge bei uns durch uns nahestehende Pferdewirtschafts-Meister mit dem Schwerpunkt Reiten wie auch Fahrmeister. Derzeit haben wir einen Pferdebestand von 75 Pferden. Diese sind aufzuteilen in ca. 50 % Reitpferde und Nachkommen, sowie Haflinger die andere Hälfte. In der Haflingerzucht sind 5 gekörte und geprüfte Hengste aus eigener Zucht aufgestellt. Die Haflinger werden sowohl im Anfangs-Reit- u. Fahrunterricht und zu längeren Ausritten genutzt. Für die Zukunft sind auch wie in früheren Zeiten wieder Kurse zur Abzeichenprüfung in Reiten und Fahren geplant. Schließlich sind wir auch bemüht ständig 1 bis 2 Auszubildende im Schwerpunkt Class.Reiten und Zucht und Service zum Ziel zu führen.
Für die Zukunft hoffen wir, dass unser jüngster Sohn Daniel in die Fußstapfen seiner Eltern steigt und in absehbarer Zeit die Leitung des Gestütes übernehmen kann. Noch können wir ihm dabei helfen.
DisclaimerGestüt BedingungenImpressum